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Mit dem Herzen stolpern!

In Scheinfeld wurde der erste „Stolperstein“ verlegt
25.09.2008 20:03

Rose

Auch in Scheinfeld liegt nun einer der vieldiskutierten „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Auf Betreiben des bsz-[scheinfeld] wurde am Dienstag, 23. September 2008 der erste dieser Gedenksteine in der Region Westmittelfranken verlegt. In den Pflasterstein aus Messing sind der Name und die Lebensdaten des Scheinfelder Bürgers jüdischen Glaubens Ernst Sigmund eingraviert.

Bilder der Aktion finden Sie hier

Stein

Der Stein ist Sigmund Ernst gewidmet. Der Kaufmann und Familienvater, der 1902 in Scheinfeld als Sohn einer Textilienhändlerin jüdischen Glaubens geboren wurde, war 1942 vom nationalsozialistischen Regime nach Auschwitz deportiert und dort vor fast genau 66 Jahren - ermordet worden. Das Textiliengeschäft und damit auch das Wohnhaus der Familie Ernst befand sich in der Würzburger Straße, gegenüber dem jetzigen Standort des Kriegerdenkmals.

Wäre Ernst Sigmund ein Bürger unserer Zeit, er würde wohl gut hineinpassen in das, was man Globalisierung nennt. Doch der vielgereiste Kaufmann lebte und starb etwa ein halbes Jahrhundert zu früh.
Der Mann aus Scheinfeld, 1902 als unehelicher Sohn der Jüdin Netta Sigmund und eines Christen geboren, machte als Kaufmann in zahlreichen Städten Station. Er hatte es nach einer Schulausbildung in Würzburg und einer Lehrzeit in Augsburg unter anderm zum Geschäftsführer von Kauf- und Textilhäusern in Ingolstadt und Worms gebracht.
Doch nicht deswegen gedenkt man jetzt in seiner Heimatstadt seiner Person. Sigmund wurde 1942 in Ausschwitz ermordet, am 4. September, rund drei Wochen nachdem seiner Frau Käthchen, geborene Kaufmann und ebenfalls aus Scheinfeld, dasselbe Schicksal widerfuhr. Ernst Sigmunds Mutter Netta Sigmund, die in Scheinfeld ein Textilgeschäft führte, muss in etwa zur gleichen Zeit im Vernichtungslager Sobibor umgekommen sein.

Heimatforscherin Karin Eigenthaler hat einige Lebensdaten jenes Mannes ausfindig gemacht, dem der Künstler Gunter Demnig am Dienstag einen seiner „Stolpersteine" widmete. Und Karin Eigenthalers Schwiegervater Hermann Eigenthaler, der Netta Sigmund und ihr Textilgeschäft in der Würzburger Straße noch kannte, ergänzte: „Die Leute gingen gern zu ihr." Netta Sigmund hatte zunächst noch das - nur klein zu nennende - Glück, dass in dem Geschäftshaus auch der Feldmeister des Arbeitsdienstlagers residierte. Dieser hatte einigen Publikumsverkehr, was für Sigmunds Kundschaft bedeutete, man konnte das Haus betreten, ohne gleich den Argwohn der Nazis zu wecken, erläuterte Siegfried Holzmann.

Der Künstler Gunter Demnig sprach in der Aula des bsz-[scheinfeld] vor vorrangig jugendlichem Publikum weniger ausgiebig als vielmehr eindringlich von der „ Stolperstein"-Aktion. Freilich gebe es auch Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen, räumte er ein. Dem stehen aber ein kaum für möglich gehaltener Zuspruch und viele positive Begegnungen mit interessanten Menschen gegenüber. Zu Kritik, die Opfernamen könnten „mit Füßen getreten" werden, merkte Demnig an: „Um den Namen lesen zu können, musst du dich verbeugen" - wenn nicht gar niederknien.

[Quelle: FLZ]

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