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Ausstellung "Rechtsextremismus in Bayern" am bsz-[scheinfeld]

Rechtzeitig etwas dagegen tun.

Sozialwissenschaftlerin Birgit Mair gab einen Einblick in die Rechtsextremisten-Szene

Jene, die nichts aus der jüngeren deutschen Geschichte gelernt haben, zeigen sich immer wieder auch im heimischen Raum. Beispiele erläuterte die Sozialwissenschaftlerin Birgit Mair im Auftrag des Bayern Forums und der Friedrich-Ebert-Stiftung gestern bei der Eröffnung einer Ausstellung über „Rechtsradikalismus in Bayern" im Scheinfelder Berufsschulzentrum.

"Wir arbeiten am BSZ dauerhaft gegen Rechtsradikalismus", hatte eingangs Schulleiterin Irmgard Kornprobst erklärt und in diesem Zusammenhang unter anderem den Besuch im Konzentrationslager Dachau genannt, die Scheinfelder Stolpersteine, die Aufarbeitung des NS-Staats im Unterricht und den Besuch von Franz Rosenbach, der das Konzentrationslager überlebt hat, in der Schule.

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Mit Bildern von Schmierereien rechtsradikalen Inhalts aus Vach, Weißenburg, Bamberg oder Fürth unterstrich Birgit Mair in der Aula vor den BSZ­-Schülern das Ergebnis einer wissenchaftlichen Untersuchung, dass 20 bis 40 Prozent der Deutschen rassistische Vorurteile bzw. Ausländerhass hätten. Sie erinnerte an die Schändung des jüdischen Friedhofs in Diespeck 2007 und den Versuch derselben jungen Leute, in Bad Windsheim ein von Ausländerfamilien bewohntes Haus anzuzünden. Man muss sehen, ob sie nach Absitzen der Jugendstrafe etwas daraus gelernt haben, sagte Mair, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Neonazis inzwischen auch eine Gefangenenseelsorge aufgebaut haben. Den Versuch der NPD, in Oberrimbach ein Gasthaus zu kaufen, betrachtete Birgit Mair mit etwas Zurückhaltung. Normalerweise schickten, sie einen Verwandten vor, wenn es darum gehe, eine Immobilie zu erwerben, weil man die Aktion verheimlichen wolle. Hier seien aber allen Anschein nach verantwortliche Parteileute aktiv gewesen. Aber eines schien ihr sicher: „Wenn das Wirtshaus verkauft worden wäre, dann wäre jedes Wochenende in Oberrimbach etwas los gewesen.

„Über Vorgänge in ihrem Heimatdorf Gollhofen berichtete stellvertretende Landrätin Gisela Keller, als fünf junge Leute - darunter ihr Großvater Nachtwache hielten, um Übergriffe der Nazis auf eine jüdische Familie zu verhindern. Es brauche Mut, öffentlich Flagge zu zeigen. Doch solche Entwicklungen, wie der Nätionalsozialismus, begännen immer in einer kleinen Zelle. „Wichtig ist, dass man rechtzeitig dagegen etwas tut.“

„Man müsse im Landkreis und in ganz Deutschland alles unternehmen, um den widerwärtigen Ungeist des Rechtsradikalismus zu bekämpfen“, erklärte Landtagsabgeordneter Hans Herold. Dazu sei auch Zivilcourage im Alltag unerlässlich. Herold appellierte an die Eltern, ihren Kindern Werte wie Toleranz und Menschenwürde zu vermitteln, die in einer Demokratie unverzichtbar seien. „Das ist der beste Schutz gegen Rechtsradikalismus."

Stellvertretender Schulleiter Siegfried Holzmann freute sich, dass in unserem Landkreis Präsenz gezeigt wird. Er hoffe, dass Oberrimbach für die Neonazis ein Flop wird. Aber jeder einzelne könne auch schon im Schulalltag im Kleinen anfangen Vorurteile abzubauen. Das kann sein, dass man das Gespräch sucht und Hilfe anbietet anstatt den nächsten leichtfertig abzuwerten und herabzusetzten. Die anwesenden Schülerinnen und Schüler, folgten den Ausführungen konzentiert und nahmen den Impuls etwas zu tun gerne auf. In der nächsten SMV-Sitzung noch vor den Faschingsferien steht das Projekt "Schule ohne Rassismus" auf dem Programm. Die Ausstellung ist bis Anfang März noch in Scheinfeld am bsz-[scheinfeld] zu sehen, bevor sie nach Würzburg weitergeht. Weitere Informationen zu diesem wichtigen Anliegen finden sie auf der Homepage der Friedrich-Ebert-Stiftung.

http://www.fes.de/inhalt/ausstellungen/rechtsradikalismus_in_bayern.htm

Quelle: FLZ Nr.35 vom 12.02.2012