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Workshop gegen Rechts am Beruflichen Schulzentrum in Scheinfeld zu Neonazi-Musik und Neonazis im Internet

Versteckte Botschaften in Liedtexten

Sozialwissenschaftlerin Birgit Mair informierte

 - Indizierte Texte und Bands standen im Visier

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Die Bandbreite rechtsradikaler Musik ist groß. Die rechtsextremen Facetten der Texte, welche die Sozialwissenschaftlerin Birgit Mair bei einem Workshop am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum (BSZ) in Scheinfeld zu Neonazi-Musik und Neonazis im Internet aufzeigte, ziehen sich wie ein roter Faden durch nahezu alle Musikrichtungen - Ausnahmen sind der Jazz und die Oper. Diese Stilrichtungen hätten die Rechtextremisten noch nicht besetzt.

120210-113318-NIKON_D300-Scheinfeld-076_DxO7Rund 800 Bands und Gruppen solcher Richtung gebe es bundesweit, sie träten mit rassistischen Texten bei Konzerten im gesamten Bundesgebiet auf, sagte Birgit Mair den Schülern der zwölften Klasse Hauswirtschaft„, auch hier in der Gegend". 70 Prozent belegten Rechtsrock, die Stilrichtungen Hardcore und Black-Music sowie Balladen und Hip-Hop jeweils 15 Prozent.

Wie die Referentin den jungen Menschen erklärte, seien die Texte von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPJM) mit „A - jugendgefährdend" und mit „B - jugendgefährdend und strafrechtlich relevant" indiziert. Die Rechtsradikalen verpackten„ extrem menschenverachtende Texte mit verschlüsselten Botschaften" in Melodien bekannter Stimmungsmacher. Den Jugendlichen spielte die Sozialwissenschaftlerin ein Musikstück vor und ließ den Text anschließend bewerten.

Nur wenige erkannten die rechtsextremen Botschaften im Text. Gerade hinter dieser Strategie liege eine der großen Gefahren, erläuterte Birgit .Mair das System der Neonazis. Auf einer Liste mit den Gruppen, die bundesweit und zunehmend mehr in Ungarn aufträten, konnten sich die Jugendlichen informieren, wen die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien für bedenklich hält. Auch das Thema „Schulhof-CD" sprach die Referentin an.

Die „Schulhof-CD" verteilte die NPD vor zwei Jahren an mittelfränkischen Schulen. Beim Workshop wurde sie gezeigt. Vor etwa zwei Jahren habe die NPD Mittelfranken vor der Berufsschule in Neustadt auf dem Bürgersteig eine CD mit dem Titel„ Rebellion im Klassenzimmer" an Schüler verteilt. Allerdings, so merkte Birgit Mair im Dialog mit den Schülern an, glaube sie nicht, dass man Menschen über die Musik zur rechten Szene bringen könne. Jedoch könne der Hang dazu durch diese, Musik verstärkt werden.

Eingangs des Workshops erklärte, Referentin Mair bestimmte Zahlenund Buchstabencodes, die von der rechten Szene verwendet würden, beispiels-,' weise der Bandname „H 8-Society", der wie englisch „Hüte Society" ausgesprochen werde, was letztlich „Hassgesellschaft" bedeute.

120210-122624-NIKON_D300-Scheinfeld-088_DxO7Die Zahlenkombinationen „18" (für A und H, den ersten und den achten Buchstaben des Alphabets) - sie steht für „Adolf Hitler" - oder„ 88" (zweimal der achte Buchstabe H) - sie bedeutet „Heil Hitler" - wurden erklärt. Die Sozialwissenschaftlerin legte den jungen Menschen nahe, Personen, die derlei Tätowierungen oder Kleidung mit dem Zahlenaufdruck tragen, äußerst kritisch zu betrachten.

Ergänzend zu dem Workshop zeigte Birgit Mair einen Film von Thomas Kuban (Pseudonym), der über Jahre hinweg in der rechten Szene mit hohem persönlichen Risiko recherchiert und gefilmt habe.

Eine seiner Dokumentationen zeigt ein Konzert in einem großen Saal, in dem sich Hunderte von Skinheads drängen und die Hand zum HitlerGruß heben. Die Liedtexte empfanden die jungen Menschen als rassistisch und abstoßend. Eine der Schülerinnen kommentierte dies mit: „Das ist doch krank."

Die Wissenschaftlerin arbeitete mit der zwölften Klasse Hauswirtschaft im Anschluss an die Ausstellungseröffnung „Rechtsradikalismus in Bayern", die jüngst im Scheinfelder Berufsschulzentrum im Auftrag des Forums Bayer und der Friedrich-Ebert-Stiftung stattgefunden hatte.

Quelle: FLZ Nr.37 vom 14.02.2012